Shigura

Shimano-Hebel, Magura-Sattel: Die „Shigura“ ist unter Schraubern fast schon Kult. Aber was steckt dahinter, was bringt die Kombination wirklich und worauf musst du achten? Wir erklären, warum Mischbremsen funktionieren können, wo die Grenzen liegen und warum so ein Umbau immer auf eigene Verantwortung passiert.

Kategorie: Bremsen: Wartung & Fehlerbehebung  ·  Lesezeit: ca. 8 Min.  ·  Level: Fortgeschrittene

Pneumatic Bikes

Dies ist eine strukturierte Übersicht zu unserem Wissen, das wir mit dir teilen möchten zu: Shigura und Mischbremsen. Wenn du Ergänzungen oder Fragen hast, melde dich gerne bei uns.

Du musst kein Profi sein. Aber du kannst einer werden.

1. Was ist eine Shigura?

Der Name setzt sich aus Shimano und Magura zusammen: ein Shimano-Bremshebel, der einen Magura-Sattel mit vier Kolben ansteuert, meist MT5 oder MT7. Die Idee dahinter: Die Magura-Sättel haben viel Kolbenfläche und damit viel Bremskraft. Die Shimano-Hebel sind kurz, ergonomisch und bekannt für einen klaren Druckpunkt. Beide Systeme laufen mit Mineralöl. Deshalb ist die Kombination überhaupt erst möglich.

Achtung

Kein Hersteller gibt solche Kombinationen frei. Gewährleistung und Garantie können entfallen, und die Verantwortung für die Funktion liegt bei dir.

Bremsen sind sicherheitsrelevant. Ein Umbau ist nur etwas für dich, wenn du Leitungen sicher anschließen und sauber entlüften kannst.

2. Warum das funktionieren kann

  • Gleiches Medium: Beide Systeme arbeiten mit Mineralöl. Eine Kombination aus Mineralöl- und DOT-Teilen ist dagegen ausgeschlossen, das zerstört die Dichtungen.
  • Hydraulisches Verhältnis: Der Geberkolben im Hebel und die Kolbenfläche im Sattel bestimmen, wie viel Kraft ankommt. Größere Sattelkolben bringen mehr Kraft pro Handkraft, brauchen aber auch mehr Öl pro Millimeter Belagweg. Dadurch verändern sich Leerweg und Druckpunkt.
  • Ölvolumen: Der Ausgleichsbehälter im Hebel muss genug Öl nachliefern können, auch wenn die Beläge abgefahren sind und die Kolben weit draußen stehen.

3. Die gängigen Kombinationen

Kombination Typischer Grund Einschätzung
Shimano-Hebel und Magura MT5/MT7-Sattel Mehr Bremskraft, Hebel nach Geschmack Die bekannteste Mischbremse, viel Praxiserfahrung
Andere Mineralöl-Hebel und -Sättel Ersatzteil zur Hand, Ergonomie Einzelfall: Anschlüsse und Volumen prüfen
Mineralöl-Teil mit DOT-Teil – Niemals. Die Dichtungen vertragen nur ein Medium

4. Leitung und Anschlüsse

Der kritischste Punkt ist der Leitungsanschluss. Leitungen verschiedener Hersteller haben unterschiedliche Innen- und Außendurchmesser, und auch die Anschlüsse an Hebel und Sattel unterscheiden sich.

  • Meist bleibt die Magura-Leitung am Sattel und wird am Shimano-Hebel angeschlossen.
  • Am Hebel brauchst du die Anschlussschraube und Olive des Hebelherstellers. Die Olive dichtet ab.
  • Im Leitungsende steckt ein Insert-Pin, der zum Innendurchmesser der verwendeten Leitung passt. Ein zu dicker Pin quetscht die Leitung, ein zu dünner hält nicht.
  • Nach der Montage immer eine Dichtheitsprobe: Hebel eine Minute kräftig gezogen halten und den Anschluss auf Feuchtigkeit prüfen.

5. Welches Öl?

Beide Hersteller verwenden Mineralöl, die Öle unterscheiden sich aber leicht in Viskosität und Siedeverhalten. Entscheide dich für ein Öl und spül das System beim ersten Befüllen komplett damit, statt zu mischen. Notier dir, was drin ist. Bei der nächsten Wartung weißt du es dann sicher. Wir sind Royal Blood und klassisches Shimano Mineralöl schon gefahren ;-)

6. So gehst du vor (Überblick)

  1. Länge festlegen: Leitung bei vollem Lenkeinschlag und eingefederter Gabel messen.
  2. Hebel montieren und die Leitung mit passender Olive und Insert-Pin anschließen.
  3. Sattelseite mit dem originalen Anschluss des Sattels verbinden.
  4. Komplett entlüften: am Sattel mit der Spritze von unten, am Hebel mit Trichter oder Spritze, je nach Hebel.
  5. Leerweg und Griffweite einstellen, bei Shimano-Hebeln auch den Free Stroke.
  6. Dichtheitsprobe, dann eine vorsichtige Probefahrt und die Beläge einbremsen.
  7. Nach den ersten Ausfahrten Druckpunkt und Anschlüsse erneut prüfen.

7. Vor- und Nachteile ehrlich betrachtet

Pro Contra
Mehr Bremskraft bei gleicher Handkraft Keine Herstellerfreigabe, Garantie kann entfallen
Hebelform nach Wunsch Druckpunkt und Leerweg fühlen sich anders an als im Original
Teile aus zwei Systemen kombinierbar Fehlersuche und Ersatzteile werden komplizierter
Oft günstiger als ein Topmodell Wiederverkauf und Werkstattservice können schwieriger sein

8. Mehr Bremskraft ohne Bastelei

Wer einfach mehr Bremse will, kommt oft auch ohne Umbau ans Ziel: größere Scheiben, ein 4-Kolben-Sattel aus derselben Familie, frisches Öl und Beläge mit mehr Biss. Das bringt in der Praxis häufig mehr als eine Mischbremse. Mehr dazu in den Guides „Bremsscheiben im Vergleich“ und „Bremsen für Bikepark und Trail“.

Pneumatic-Bikes-Tipp

Wir wissen, was „SHIGURA“ heißt ;-) Für saubere Anschlüsse findest du bei uns Olive- und Insert-Pin-Sets für Shimano- und Magura-Leitungen, Hydraulikleitungen, Entlüftungskits mit Mineralöl und Magura-Bremssättel. Die passenden PB-Beläge für Magura MT5 und MT7 gibt es natürlich auch.

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Fragen, Feedback oder Ergänzungen? Schreib uns: pneumaticbikes@gmail.com

Alle Angaben ohne Gewähr. Herstellerangaben zu Drehmomenten, Verschleißgrenzen und Wartung haben immer Vorrang. Im Zweifel hilft die Fachwerkstatt.

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