Richtig bremsen

Die beste Bremse nützt wenig, wenn die Technik nicht stimmt. Richtig bremsen heißt: kürzer anhalten, mehr Kontrolle in Kurven, weniger Hitze und weniger Verschleiß. Hier lernst du die Grundlagen, die Vollbremsung und die Tricks für lange Abfahrten und rutschigen Untergrund.

Kategorie: Fahrtechnik & Training  ·  Lesezeit: ca. 8 Min.  ·  Level: Einsteiger bis Fortgeschrittene

Pneumatic Bikes

Dies ist eine strukturierte Übersicht zu unserem Wissen, das wir mit dir teilen möchten zu: Richtig bremsen. Wenn du Ergänzungen oder Fragen hast, melde dich gerne bei uns.

Du musst kein Profi sein. Aber du kannst einer werden.

1. Die Physik in einem Satz

Beim Bremsen verlagert sich dein Gewicht nach vorn: Das Vorderrad wird stärker auf den Boden gedrückt und bekommt mehr Grip, das Hinterrad wird leichter. Deshalb leistet die Vorderbremse auf trockenem Untergrund den Großteil der Arbeit, und deshalb blockiert das Hinterrad so schnell.

2. Vorne, hinten oder beide?

Situation Vorderbremse Hinterradbremse
Trockener Asphalt, geradeaus Hauptarbeit, etwa 70 Prozent Unterstützt
Nässe, Schotter, Laub Gefühlvoll und dosiert Größerer Anteil, nicht blockieren
Steile Abfahrt im Gelände Dosiert, bleibt die wichtigste Bremse Stabilisiert
In der Kurve Möglichst gar nicht Wenn nötig, nur ganz leicht
Notbremsung Kräftig steigern bis kurz vor dem Abheben des Hinterrads Mitbremsen, nicht blockieren

3. Reaktionsweg und Bremsweg

Bevor die Bremse greift, vergeht Zeit: Erschrecken, Hand zum Hebel, ziehen. In dieser Sekunde fährst du ungebremst weiter. Der Bremsweg selbst wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit.

Tempo Reaktionsweg (1 Sekunde) Bremsweg (Richtwert) Anhalteweg gesamt
15 km/h 4,2 m 1,5 m ca. 5,5 m
25 km/h 6,9 m 4,0 m ca. 11 m
35 km/h 9,7 m 7,9 m ca. 17,5 m
45 km/h 12,5 m 13,0 m ca. 25,5 m

Die Werte gelten für trockenen Asphalt, eine gute Scheibenbremse und eine geübte Vollbremsung. Bei Nässe, auf Schotter oder mit Felgenbremsen wird es deutlich länger.

4. Die Vollbremsung

  1. Beide Bremsen gleichzeitig ziehen, die Vorderbremse zügig, aber nicht schlagartig steigern.
  2. Gewicht nach hinten und tief: Arme fast gestreckt, Hüfte Richtung Sattel nach hinten, Fersen tief.
  3. Blick nach vorn, nicht aufs Vorderrad.
  4. Hebt das Hinterrad ab, die Vorderbremse minimal lösen. Blockiert das Vorderrad, sofort etwas lösen.
  5. Bis zum Stillstand bremsen, dann den Fuß absetzen.

Pro-Tipp

Üb die Vollbremsung auf einem leeren Parkplatz, erst aus Schritttempo, dann immer schneller. Wer sie einmal trainiert hat, macht im Ernstfall instinktiv das Richtige. E-Bikes mit ABS nehmen dir einen Teil der Arbeit ab, mehr dazu im Guide „Bremsen am E-Bike und ABS“.

5. Bremsen und Kurven

  • Vor der Kurve bremsen, in der Kurve rollen lassen. Der Reifen braucht seinen Grip für die Seitenführung.
  • Muss es doch sein: auf der Straße das Rad kurz aufrichten, dann bremsen.
  • Im Gelände: vor der Kurve auf griffigem Boden Tempo abbauen, in der Kurve das Bike drücken und laufen lassen.

6. Lange Abfahrten: Hitze managen

  • Intervallbremsen statt Schleifbremsen: Kurz und kräftig bremsen, dann rollen lassen. In den Pausen kühlt die Scheibe ab. Wer dauerhaft leicht schleifen lässt, heizt die Bremse immer weiter auf.
  • Beide Bremsen nutzen, damit sich die Hitze verteilt.
  • Pausen auf langen Abfahrten und die Scheibe danach nicht anfassen.
  • Kein Wasser auf eine heiße Scheibe kippen. Sie kann sich verziehen.
  • Warnsignale für Fading: Die Bremse lässt nach oder der Hebel wird weich. Sofort Tempo raus und abkühlen lassen.
  • Felgenbremsen heizen die Felge auf. Das kann bei langen Abfahrten Schlauch und Reifen schaden.

7. Nässe, Laub und Schotter

  • Früher und sanfter bremsen, mehr Abstand halten.
  • Nasse Scheiben vor einer Abfahrt kurz trocken bremsen.
  • Nicht auf Fahrbahnmarkierungen, Gullideckeln, Holz oder Wurzeln bremsen.
  • Nasses Laub ist so glatt wie Eis. In Kurven nur rollen.

8. Bremsen im Gelände

  • Tempo vor dem Steilstück abbauen, im Steilen nur noch dosieren.
  • Rollendes Rad lenkt: Ein blockiertes Vorderrad lässt sich nicht mehr lenken.
  • Bremspunkte wählen: auf griffigem Boden bremsen, über Wurzeln und Steine rollen.
  • Ein Finger reicht bei einer guten Scheibenbremse. Die anderen Finger halten den Lenker.
  • Nicht blockieren: Das schont den Trail und deine Kontrolle.

Pneumatic-Bikes-Tipp

Technik und Material gehören zusammen: Richtig eingestellte Hebel (siehe Guide „Bremshebel richtig einstellen“), eine entlüftete Bremse und gut eingebremste Beläge machen jede Technik leichter. Unsere PB-Beläge gibt es in fünf Mischungen, von leise und fein dosierbar bis maximal hitzefest.

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Fragen, Feedback oder Ergänzungen? Schreib uns: pneumaticbikes@gmail.com

Alle Angaben ohne Gewähr. Trainiere im Rahmen deiner Möglichkeiten und lass gesundheitliche Fragen ärztlich abklären.

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